Kunst in Auschwitz 1940 - 1945 - 140 Kunstwerke aus der Sammlung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oswiecim

08.11.2005-28.02.2006
Ausstellung
Museum der politischen Unabhängigkeit Lodz, Lodz  


Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau in Oswiecim besitzt eine weitgehend unbekannte, umfangreiche Sammlung Bildender Kunst. Hierzu zählen 1470 Kunstwerke, die in der Zeit von 1940 bis 1945 im Konzentrationslager Auschwitz entstanden sind. Dieser Teil der Sammlung umfasst Stillleben, Landschaften, Karikaturen, Genreszenen und vor allem Porträts. Der 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist Anlass, 150 Kunstwerke aus der Lagerzeit in einer Ausstellung zu präsentieren. Krystyna Oleksy, stellvertretende Direktorin des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oswiecim: "Der 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau ist ein Anlaß zur Reflexion über ein wichtiges und schwieriges Thema: Was war und was ist dieser Ort und welche Rolle sollte er in heutigen Zeiten spielen? Diese Fragen beantwortet die Ausstellung, die vom Museumspädagogischen Dienst, der Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum und dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Oswiecim vorbereitet wurde - diese Institutionen verbindet nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch die gemeinsame Geschichte und das gemeinsame Ziel. Die Ausstellung "Kunst in Auschwitz" ist eine Präsentation von 150 originalen Bildern und Zeichnungen, die aus den Sammlungen des Museums in Oswiecim stammen und von Häftlingen in KL Auschwitz ausgeführt wurden. In der Form der künstlerischen Retrospektive huldigt die Ausstellung denen, die im Lager umgekommen sind, und auch denen, die überlebt haben und in Kunstwerken das Bild der bitteren Erfahrungen, der vergangenen Geschichte, zur Warnung der neuen Generationen verewigten. Ich bin überzeugt, dass diese Ausstellung, eines der wichtigsten Ereignisse des 60. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau sein wird, und der Moment der Nachdenklichkeit, der diese Ausstellung begleiten wird, richtet die Aufmerksamkeit auf die Fragen nach der heutigen Welt. Das psychische und physische Leiden der Menschen wird besonders in den Porträts der Hauptsequenz der Ausstellung deutlich, ohne Terror und Gewalt direkt zu zeigen. In den Kunstwerken sind die Menschen »anwesend«: Diese Unmittelbarkeit hebt die Distanz zwischen Künstler und Dargestelltem auf. Die Bilder waren für die Künstler und für die Dargestellten elementare Lebens- und Existenzbeweise."

Der Künstler Franciszek Jazwiecki berichtete 1946: »Um eine Weile Glück zu erringen, vor allem, um zu vergessen, zeichnete ich mit Bleistift weiter in den Lagern Porträts. Diese im Verborgenen gemachten Porträts ließen mich vergessen, führten mich in eine andere Welt, in meine Welt der Kunst. Dass Zeichnen mit dem Tod bestraft wurde, nahm ich einfach nicht zur Kenntnis, nicht weil ich mutig war, sondern weil ich die Gefahr nicht beachtete, so anziehend war es, in der eigenen Welt zu schaffen.«

Die Spannung zwischen Kunst und Lageralltag, die Personalisierung des Grauens bieten eine neue Form der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Völkermords und Auschwitz. Die Objekte sind nicht nur authentisches Dokument eines grausamen Zeitabschnitts menschlicher Verrohung, sondern auch autonome Kunstwerke von eigener faszinierender Schönheit.

Die Ausstellung würdigt die Bilder aus Auschwitz als Kunstwerke. Dieser neue Ansatz erforderte eine intensive mehrjährige Forschungsarbeit besonders in Polen. In dem zweisprachigen Begleitband der Ausstellung (deutsch / polnisch) wird diese Position vertieft.

Die Ausstellung Kunst in Auschwitz 1940 -1945 entstand in einer Kooperation zwischen der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum und dem MD Berlin. Ohne die großzügige Unterstützung, das Öffnen aller Archive und den fachlichen Rat des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oswiecim wäre die Realisierung des Projekts nicht möglich gewesen.
Die Ausstellung sowie ein Rahmenprogramm werden unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes, der Kulturstiftung der Länder, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Auswärtigen Amt und der Gesellschaft für ein Jüdisches Museum Berlin.

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Bild: Marian Ruzamski, Unbekannter Mann, 1934-1944




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