Die Nachkriegszeit in Tempelhof-Schöneberg

Zwei aus Workshops hervorgehende Ausstellungsprojekte von Jugendlichen im Schöneberg-Museum thematisieren Kriegsende und Nachkriegszeit in den Bezirken sowie den Umgang mit dem vergangenen wie aktuellen Kriegen.
 
„Der 8. Mai ist für mich ein Tag wie der 7. oder der 9. Mai. 1945 ist einfach vor meiner Zeit.“ Das ist eine von vielen Antworten, die Jugendliche auf die Frage „Das Jahr 1945 – was geht es mich an?“ gegeben haben.
Unter dieser Fragestellung hat das Jugend Museum Schöneberg im Frühjahr 2005 mit über 150 Schülerinnen und Schülern verschiedener Herkunft eine Workshop-Reihe durchgeführt. Die Jugendlichen konnten über verschiedene mediale Formen zum Ausdruck bringen, was sie persönlich mit diesem Gedenkdatum verbinden, also ihre eigene Geschichte mit der „großen“ Geschichte in Beziehung setzen. Ein Erinnerungspraktikum: Wer erinnert was, wie und warum? Ausgangsmaterial für diese „Beziehungsarbeit“ waren Erinnerungen, die in Ak-ten, Briefen und Tagebüchern genauso gespeichert sind wie in den Äußerungen von Zeitzeugen.

Zu den Workshop-Teilnehmern gehörten viele Kinder und Jugendliche, die ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben. Sie kommen vorwiegend aus der Türkei, aus arabischen Ländern und aus Osteuropa. Ihr multiethnischer Hintergrund brachte für die Projektarbeit ein zusätzliches Potential. „Welchen Krieg meinst du?“ entgegnete ein pakistanischer Händler, als eine Schülerin bei einem Straßeninterview zum 8.Mai 1945 wissen wollte, welche Erlebnisse er persönlich mit dem Krieg verbinde. Für die Jugendlichen wurde deutlich: Der 60. Jahrestag des Kriegsendes ist nicht nur eine Angelegenheit der Deutschen. Er löst auch bei Menschen anderer Herkunft Erinnerungen an die eigene Geschichte aus. Erinnerungen, die bestimmt sind von Weggehen und Neuanfang, oft auch von Krieg, Flucht und Ver-treibung.

Die Ergebnisse der Jugendlichen werden im Rahmen der zweiteiligen Ausstellung ‚time zero‘ präsentiert. Während diese ‚Werkschau‘ eher den aktuellen Umgang mit dem Gedenkjahr aus der Sicht von jungen Menschen dokumentiert, macht der historische Teil von ‚time zero‘ einen Zeitsprung ins kriegszerstörte Berlin nach 1945. In einer Ruine werden anhand von authentischen Objekten sechs Figuren und ihre Geschichten vorgestellt: der Kriegsheimkehrer, die Mutter, der Junge, ein ‚Opfer des Faschismus‘, der Schwarzhändler und das deutsche Fräulein. Die Grundlage sind wahre Lebensgeschichten aus Schöneberg und Tempelhof, wie sie in historischen Quellen überliefert sind.
Inmitten dieser Ruinenlandschaft gibt es Stationen der Gegenwart: Hier finden sich aktuelle Aussagen von Menschen, die sich in unterschiedlicher Art und Weise an das Kriegsende und die unmittelbaren Nachkriegsjahre erinnern. Damals waren sie jung und die Zeit hat sie geprägt – bis heute.

‚time zero‘ wird bis Juli 2006 begleitet von Projekttagen, Workshops, Geschichtswerkstätten und Seminaren für junge Menschen.

time zero? 2005 | 1945
Werkschau und historische Ausstellung im Jugend Museum
14.05.2005 bis 23.07.2006

Schöneberg Museum/Jugendmuseum, Berlin
Tel. 030.75 60 61 63, Fax 030.75 60 63 29
mail@jugendmuseum.de
Mi und Do 15-18 Uhr, Sa/So 15-18 Uhr, für angemeldete Gruppen Mo-Fr 9-13 Uhr

Eintritt frei.

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Begleitende Angebote für junge Menschen im Jugend Museum Schöneberg


1. time zero - Projekttage zur Ausstellung für Schulklassen und Jugendgruppen
(von 11 bis 18 Jahren)

03.06. bis 17.07.05 und 08.08. bis 20.12.05
jeweils Mo bis Fr 9 bis 13 Uhr (Voranmeldung)

2. "Welchen Krieg meinst du?"
Drei Projekttage in drei Museen

31.8.-2.9.05
14.9.-16.9.05
21.9.-23.09.05
28.9.-30.09.05
19.10.-21.10.
9.11.-11.11.05

jeweils 9 bis 13 Uhr
ab Klasse 9

Das Jugend Museum Schöneberg, das KreuzbergMuseum und das Museum Neukölln machen Berliner Schulklassen ein gemeinsames bezirksübergreifendes Angebot: An drei aufeinander folgenden Projekttagen besuchen die Jugendlichen die Ausstellungen in den drei Museen und erfahren das Thema ‚Krieg, Flucht und Migration’ aus verschiedenen Blickwinkeln.

Anmeldung nur über: Jugend Museum Schöneberg

3. Krieg und Frieden
Theaterworkshop in Kooperation mit junge vhs&co

10.8.-12.8.05, jeweils 8 bis 14 Uhr
25.8. und 26.08.05, jeweils 9 bis 14 Uhr

ab Klasse 9

Was ist Krieg, wo beginnt Krieg? Im eigenen Leben, in der Schule, in der Familie, im Freundeskreis, auf der Straße, bei der Arbeit? Und was bedeutet Frieden? Jugendliche spüren diesen Fragen nach und bereiten eine Präsentation zur Langen Nacht der Museen im Jugend Museum vor. Der Workshop wird mit der Kamera begleitet.

4. Erinnerungszeuge - der „Großbelastungskörper“ in der General-Pape-Straße
Jugendgeschichtswerkstatt in Kooperation mit Denkmal an Berlin e.V.

15.8.-20.8.05, jeweils 9 bis 13 Uhr
ab Klasse 10

10.09.05 um 14 Uhr
Eröffnung der Open-Air-Ausstellung (in der General-Pape-Straße) am Tag des offenen Denkmals
Kein Bammel! Antisemitismus selbstBewusst entgegentreten
Schülerseminar in Kooperation mit ‚Bildungsbausteine gegen Antisemitismus‘

5.9.-12.9.05, jeweils 8 bis 14 Uhr
ab Kl. 10

Weiterführende Links
Museen Schöneberg/Tempelhof




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Klosterstrasse 68, 10179 Berlin, info@kulturprojekte-berlin.de
MD-Infoline: 030-90 26 99 444
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